60 Jahre Interkontinentalrakete R-7

Die erste Interkontinentalrakete vom Typ R-7 (SS-6) wurde am 21. August 1957 erfolgreich gestartet. Sechs Tage später wurde TASS ermächtigt, diesen Start zu vermelden. Die Bedeutung dieser Zeitungsmeldung wurde im Gegensatz zum Start von Sputnik-1 im Westen kaum erkannt. Beim zivilen Sputnik-1 spricht man heute vom Sputnik-Schock. Sowohl der damalige US-Präsident Eisenhower als auch der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, General Norstad, spielten die Bedeutung herunter. Fakt war aber auch, dass sich beide Gro▀mächte im Wettstreit um den Besitz von Interkontinentalraketen befanden. Den USA gelang es vier Monate später mit dem erfolgreichen Start einer Rakete vom Typ Atlas A gleichzuziehen.

Der Ministerrat der UdSSR beschloss am 4. Dezember 1950, dass das Thema der Erforschung der Perspektiven zur Schaffung von Fernraketen verschiedenster Typen mit einer Reichweite von 5 bis 10000 km und mit einem Gefechtskopf von 1 bis 10 t anzugehen sei. Danach gab es Dutzende von Beschlüssen des Ministerrats und des Zentralkomitees der KPdSU, um die Arbeiten an der R-7 zu unterstützen. Mit dem streng geheimen Beschluss Nr. 956-408 des ZK der KPdSU und des Ministerrats vom 20. Mai 1954 begann die eigentliche Projektierung der zweistufigen ballistischen Rakete R-7.

Das erste Mal wurde am 15. Mai 1957 diese Rakete gestartet. Nach 60 Sekunden brach im Heckteil der Rakete ein Feuer aus, konkret am Seitenblock D, in der 98. Sekunde war die Stabilität des Raketenfluges nicht mehr gewährleistet und sechs Sekunden später erfolgte die Havarieabschaltung der Triebwerke, d.h. zwölf Sekunden vor dem Abtrennen der Seitenblöcke. Die eigentliche Ursache des Feuers lag an einem nicht hermetisierten Hochdruckmesser für das Kerosin.

Vom 10. auf den 11. Juni 1957 gab es drei Versuche, die Rakete mit der Gerätenummer MI-6 zu starten. Diesmal verhinderten zweimal Probleme mit dem Hauptventil an der Oxydatorzuleitung eines Seitenblocks das Abheben der Rakete. Der dritte Startversuch am Folgetag fiel der automatischen Abschaltung aller Triebwerke zum Opfer, weil sich das Triebwerk des Zentralblocks nicht zur festgelegten Zeit im notwendigen Regime befand und das lag wiederum an der falschen Einstellung eines Pneumatikventils für die Oxydatorzuleitung des Zentralblocks.

Beim dritten Mal, am 12. Juli 1957, verlief der Start normal. In der 33. Sekunde begann sich die Rakete aufgrund eines falschen Lenkkommandos um die Längsachse zu drehen. Nach weiteren zehn Sekunden kam es zur Zerstörung der Rakete in 4,5 km Höhe.

Am 21. August um 15:25 Uhr stieg wiederum eine Interkontinentalrakete in den Himmel und flog fast 6370 km weit. In einer Höhe von 11 km, in dem die dichteren Teile der Atmosphäre begannen, bemerkte man ein Aufglühen. Der Gefechtskopf und Teile des Zentralblocks konnten nicht gefunden werden. Der fehlende Hitzeschild am Gefechtskopf ließ ihn verglühen. Die Rakete wich Ziel mit +55,1 km in der Entfernung und +3,5 km nach der Seite ab. Die tagelange Suche nach den übriggebliebenen Metallteilen ist dann auch die Erklärung dafür, dass die Meldung erst sechs Tage später in der Prawda verbreitet wurde.