51. Raketendivision
In der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte auf Kuba waren die Strategischen Raketentruppen
als eigene Waffengattung vertreten. Unter dem Befehl von Generalmajor Igor Stazenko
wurden 5 Raketenregimenter mit insgesamt 7956 Mann aus der Mittelukraine verlegt-
aus Achtyrka (Gebiet Sumy), Lebedin (Gebiet Sumy), Gluchow (Gebiet Sumy),
Uman (Gebiet Tscherkassy) und Gajsin (Gebiet Winniza). Dabei handelte es sich vorrangig
um Regimenter der 43. Raketendivision (Divisionsstab in Romny, Ukraine).
Bereits am 12.07.1962 begannen die Seetransporte. Mit dem Eintreffen der Transporters
"Omsk" begann die eigentliche Dislozierung der 51. Raketendivision auf Kuba.
Von den letztendlich geplanten 40 Raketen konnten bis Ende Oktober die 24 Raketen
vom Typ R-12 (SS-4) einsatzbereit gemacht werden.
Für die 16 Raketen vom Typ R-14 (SS-5) befanden sich zwar die Gefechtsköpfe
auf kubanischem Boden, aber nicht die Trägermittel. Erst am 14. Oktober 1962
wurden durch Luftspionage die Startstellungen ausgemacht. Die amerikanische Luftaufklärung
veröffentlichte Luftbilder folgender Stationierungsräume: Remedios, Guanajay,
San Christobal und Sagua La Grande. Was die CIA da vor sich hatte, wurde durch
sowjetische Handbücher, die der Spion Oleg Penkowskij weiterleitete, schnell klar.
Politisch bewertete J.F.Kennedy diese Stationierung folgendermaßen:
"Aber dieser geheime, rasche und außergewöhnliche Aufbau kommunistischer Raketen-
in einem Gebiet, das dafür bekannt ist, eine besondere und historische Beziehung
zu den Vereinigten Staaten und den Nationen der westlichen Hemisphäre zu haben-,
und zwar unter Verletzung sowjetischer Zusicherungen und unter Missachtung der
amerikanischen Politik und der Politik der westlichen Hemisphäre-
diese plötzliche, insgeheim getroffene Entscheidung, zum ersten Mal strategische
Waffen außerhalb des sowjetischen Territoriums zu stationieren, ist eine bewusste
provokatorische und ungerechtfertigte Änderung des Status quo,
die von den Vereinigten Staaten nicht akzeptiert werden kann,
wenn sowohl Freund als auch Feind jemals wieder an unseren Mut und
an unsere Zusagen glauben sollen."
Zu Recht hielt Chruschtschow Kennedy vor:
"Sie sind beunruhigt über Kuba. Sie sagen, das beunruhigt Sie,
weil es nur 150 Kilometer vor der Küste der Vereinigten Staaten von Amerika liegt.
Aber die Türkei grenzt an unser Land; unsere Wachposten patrouillieren hin und her
und können einander sehen. Meinen Sie denn, Sie hätten das Recht,
Sicherheit für Ihr Land zu verlangen und den Abzug der Waffen zu fordern,
die Sie offensiv nennen, uns aber dasselbe Recht nicht zuzugestehen?
Sie haben vernichtende Raketenwaffen, die Sie offensiv nennen,
in der Türkei stationiert, buchstäblich in nächster Nähe unseres Landes.
Wie lässt sich denn die Anerkennung unserer gleichwertigen militärischen Stärke
mit so ungleichen Beziehungen zwischen unseren großen Staaten vereinbaren?
Das ist unvereinbar."