Globalraketen


Am 16. März 1962 bluffte Nikita Chruschtschow die Welt damit, dass die Sowjetunion über globale Raketen verfügte. Warum äußerte er sich zu diesem verfrühten Zeitpunkt? Wegen der absehbaren UNO-Weltraumresolutionen? Vom Besitz an Globalraketen konnte allerdings keine Rede sein. Im Konstruktionsbüro von Sergej Koroljow liefen die Arbeiten zur Globalrakete GR-1 im Vorjahr erst an. Und diese Rakete wurde nie im Flugversuch getestet. Als eine der teuersten Theaterkulissen auf der Weltbühne wurden zwei Muster der GR-1 seit dem 9. Mai 1965 alljährlich bei den Militärparaden über den Roten Platz gezogen. Zwei weitere Konstruktionsbüros- das von Tschelomej und das von Jangel- wurden ebenfalls mit der Konstruktion von Globalraketen beauftragt. Einzig die aus der R-36 von Jangel entwickelte Globalrakete wurde 1968 in den Dienst der Strategischen Raketentruppen gestellt.
Im Jahre 1967 wurden diese Raketen erstmals auf eine Erdumlaufbahn geschickt. Es waren die ominösen KOSMOS-Satelliten, die mit einer Bahnneigung von 50, einer Umlaufzeit von einer Stunde und 28 Minuten (Entfernung im erdnahesten Punkten: ca. 145 km, im erdfernsten Punkt: ca. 210 km) ihre Bahnen innerhalb eines Tages von Baikonur nach Nowaja Kasanka im Nordwesten Kasachstans zogen. 1968 wurde ein Raketenverband, die 98. Raketenbrigade, aufgestellt, der mit 18 Startanlagen für diesen Raketentyp ausgestattet war.
Gefährlich waren diese Raketen vorallem
1. wegen der Möglichkeit, aus Richtung Süden die USA zu bedrohen,
2. wegen der Möglichkeit, auf unterschiedlichen Flugbahnen das gleiche Ziel anzusteuern (depressed trajectories) und
3. wegen der geringen Vorwarnzeit.
In den Verhandlungen zum SALT-II-Vertrag kamen auch diese Raketen zur Sprache, ihre Abrüstung wurde festgelegt. Trotz der Nichtratifizierung des Vertrages seitens der USA wurde die R-36orb 1983 aus der Bewaffnung genommen.